Guten Tag

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I wrote this for you....

Fortsetzung

Jerome blickte angestrengt hinüber zur gegenüberliegenden Seite des Sees, als er die Worte in seinem Kopf sortierte und zu sinnvollen Sätzen werden ließ, die in dieser Form zum ersten Mal seinen Mund verließen.

Naja... ich habe keine Ahnung, was mit meinen Eltern ist. Ich war noch zu jung, ich glaube ich war... 7 oder 8, ich weiß nicht mehr genau. Aber was ich noch genau weiß ist, dass ich an diesem Abend in meinem Bett lag und ein ziemlich unheimliches Buch gelesen habe. Deshalb konnte ich nämlich auch die ganze Nacht nicht schlafen... Ja, ziemlich peinlich, ich weiß. Ich bin 'n Weichei...“

Lenk nicht ab, Jerome.“ Kamy sah ihn gereizt an.

Sie sahen sich in die Augen.

Jerome hatte einen unglaublich beruhigenden Blick und so vergaß Kamy kurz, worum es ging.

Ja, ja keine Sorge...“ , lenkte Jerome wieder ein.

Also... Ich lag also die ganze Nacht wach und hörte unten im Wohnzimmer, wie meine Eltern sich stritten. So weit nichts Ungewöhnliches, das taten sie öfters. Ich hörte auch nicht mehr zu, worum es ging. Nach einiger Zeit wurde es auch wieder ruhig und so dachte ich, sie wären zu Bett gegangen.

Ich wäre fast durchgedreht vor Angst in dieser Nacht, ich hatte wirklich richtig Schiss. Seit diesem Tag habe ich auch nie wieder so ein Buch gelesen...Magst du so Gruselbücher?“

JEROME...!!!“

Ja man! Nicht so aggressiv. Okay... also, ich habe dann halt so typische behinderte Geräusche unten in der Küche gehört. Hab zuerst gedacht, ich bilde mir das ein... aber dann habe ich ganz deutlich gehört, dass da jemand ist. Anstatt, dass ich Angst hatte, war ich aber eher beruhigt. Ich dachte nämlich, das wäre mein Vater, der was trinken will... Naja, ich wollte dann runtergehen und ihm sagen, dass ich nicht schlafen kann...

Ich geh also... und wie ich so ganz unten auf der Treppe stehe, sehe ich, dass der Fernseher noch läuft... Dachte ich so Okay, vielleicht konnte mein Vater auch nicht schlafen... Und dann...“

Dann...?“

Verdammt...“

Jerome, alles klar?“ Besorgt suchte Kamy Blickkontakt zu Jerome, der sich von ihr weggedreht hatte.

„Was ist los?!“

Sie streckte ihre Hand nach seinem Gesicht aus, legte die Hand auf seine Wange und drehte seinen Kopf zu ihr.

Hey, was hast du?“

Nichts...“ Er schluchzte. Kamy spürte, dass ihre Hand, die sie wieder bei sich hatte, auch etwas feucht war, vermutlich von seinen Tränen.

Verarsch mich doch nicht. Magst du nicht weitererzählen?“

Weiß nicht... ach... jetzt ist eh egal...“ Grob wischte er sich die Tränen aus dem Gesicht.

Hab mich ja eh schon blamiert... Hmm...“ Wieder hielt er einen kurzen Moment inne und starrte auf den See. Auch Kamy blickte in dieselbe Richtung, sie wusste gar nicht, ob sie es noch weiter hören wollte.

Plötzlich redete er weiter.

Jedenfalls... stand ich dann da im Flur und ging langsam in Richtung Wohnzimmer, wo ich den Fernseher laufen gesehen hatte. Ich versuchte zu erkennen, ob jemand auf der Couch saß, ohne, dass ich gesehen wurde. Was ziemlich sinnlos war, weil ich ja sowieso Bescheid sagen wollte... Aber ich hatte irgendwie Angst, ich würde Ärger bekommen. Ich wollte schon fast wieder hoch gehen...Hätte ich das mal getan...“ Seine Stimme klang abgehackt, man konnte ihm deutlich anhören, dass er um seine Fassung rang.

...Als ich mich dann heimlich an die Wand lehnte um durch die offene Wohnzimmertür zu sehen... sah ich meine Mutter... wie sie auf dem Boden lag... Anscheinend bewusstlos. Ich wusste nicht was los war, ich wusste nur, dass ich am liebsten gestorben wäre, weil mein Herz so randaliert hat, ich war so jung und dort lag meine Mutter auf dem Boden...

Vor lauter Schock vergaß ich auch in meinem Versteck zu bleiben, ich stand einfach so da, im Türrahmen. Und dann kam mein Vater aus der Küche...“

Er zitterte. Kamy nahm seine Hand.

Hmm... er hatte Blut im Gesicht und an der Hand. Und er hatte so einen wahnsinnigen Blick...

Als ich das Blut an seinen Händen herabtropfen sah, bemerkte ich, dass auch Blut auf dem Teppich war, und, dass es auch aus dem Mund meiner Mutter kam.“

Oh Gott, Jerome...“

Ja... ich weiß, was du jetzt denkst...Aber.. sie ist nicht tot. Also...jedenfalls war sie es da nicht. Niemand sprach mit mir, aber am nächsten Tag wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert und da war sie schon wieder bei Bewusstsein. Mein Vater wurde auch abgeholt...Mir hat wirklich Niemand etwas gesagt.

Ja...Und von da an, kam ich halt zu vielen verschieden Familien. Die erste Familie, in der ich war, war wirklich toll. Zumindest am Anfang...“

Wieso nur am Anfang?“

Naja...ach, weißt du, eigentlich war es nicht deren Schuld. Meine.. ja, Pflegemutter, wurde sehr krank. Mein Pflegevater hat das nicht verkraftet. Und er konnte sich nicht mehr um mich kümmern.

Ich musste also zu einer anderen Pflegefamilie, hier in der Stadt. Ich musste alle meine Freunde zurücklassen. Das habe ich nie verkraftet.“

Und deshalb hast du jetzt keine Freunde mehr?“ Jetzt war Kamy auf ihrem Gebiet.

Richtig. Also zumindest keine echten Freunde mehr. Soweit lasse ich es nicht mehr kommen, falls ich mal wieder von hier weg muss... Ich bin zwar jetzt schon sehr lange hier, aber die Familien habe ich trotzdem sehr oft gewechselt. Bis ich halt zu denen kam, bei denen ich jetzt bin.“

Die sind besser?“

Mhm... Sie sind halt nie da. Aber dafür machen sie auch keinen Scheiß, in der Zeit in der sie da sind. Ist okay so. Aber 'ne Zeit lang war das ganze echt schwierig für mich.“

Kann ich mir vorstellen...“ Nachdem sie Jerome minutenlang gespannt angestarrt hatte, drehte sie nun den Kopf in die andere Richtung.

Ja...und dabei hat mir dein Bruder damals sehr geholfen.“

Jetzt war sie froh, dass sie ihn nicht mehr anblickte, denn man konnte ihr ansehen, dass es sie jedes mal wieder verletzte, sowas zu hören.

Kamy...?“

Ja. Tut mir Leid.“ Sie kehrte ihm immer noch den Rücken.

Wofür entschuldigst du dich?“

Keine Ahnung...“

Jerome legte die Hand auf ihren Rücken. Ruckartig drehte sie sich wieder zu ihm.

Sie bemerkte, dass er dies falsch gedeutet hatte und die Hand langsam wieder zu sich gleiten ließ. Aber Kamy wollte nicht, dass er sie wegnahm. Im Gegenteil, sie rutschte näher zu ihm, bis er seinen Arm ganz um sie gelegt hatte.

Verwundert suchte er nach ihren Augen um darin eine Antwort auf ihr unerwartetes Verhalten zu bekommen. Sie sahen nicht mehr so kalt aus, nur unsicher.


Und langsam aber sicher bewegten sich ihre Lippen aufeinander zu...

 

 

 

1.6.09 02:44
 


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